Es war ein schöner Sommertag im Juni. Warm und leicht bewölkt. Eigentlich das richtige Wetter zum Reisen. Nichts ließ darauf schließen, was den in Aufbruchstimmung befindlichen NSUlern bevorstehen würde.
Mittwoch. Schulschluß. Wir hatten uns auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe von Hünfeld verabredet. Soweit so gut. Dort angekommen, erklärte Karl, daß etwas mit den Bremsen am Ro 80 nicht in Ordnung sei. Also er wieder heim durchchecken. Ganz klar, weil ohne Bremsen ist´s nicht gut in Urlaub fahren! Keiner wußte, wann er wieder zurückkehren würde. Der Rest seiner Familie harrte den Dingen, die da kommen würden, bei verschlossener Wohnwagentüre, durstend und hungernd, aus. Ein leichter Regen brachte etwas Bewegung in unsere Gruppe. Wo sind die Schirme? Im Wohnwagen! Vollbepackter Prinz Kein Platz für ausgesetzte Familie. Aber da kam Karl auch schon zurück. Alle Mann rein ins Auto, Wohnwagen dran und los in Richtung Süden. Kann doch nur besser werden!
Unterwegs regnete es immer wieder mal. Kein Grund zur Panik! Schließlich fahren wir doch Richtung Süden in den Urlaub. Da hat das Wetter doch einfach gut zu sein!
Frohgelaunt legten wir Kilometer um Kilometer zurück. Die Wolken begleiteten uns. Die Zeit saß uns im Nacken (um 22.00 Uhr würde der Campingplatz schliessen). Die 5½ Std. Reisezeit laut ADAC waren ca. 1 Std. vor der Grenze rum. Weil wir die Vignette umgehen wollten, ignorierten wir die Autobahnschilder rund um Basel. Es gelang uns schließlich den Grenzübergang Rheinfelden zu finden. Hätte man in diesen Tagen diesen Landstrich von oben betrachten können, hätte man so manch verzweifelt umherirrenden NSUler sehen können.
Kurz hinter der Grenze hängte sich freudestrahlend ein Holländer an unseren kleinen Konvoi. Von nun an konnten wir gemeinsam durch die beginnende Nacht irren.
Jetzt hieß es umdenken. Die uns bekannten Autobahnschilder sind blau dort sind sie grün. Dafür sind die Hauptstraßenschilder blau.
Fast hätte man meinen können, die Schweiz sei ein einziges Dorf. Kaum war ein Ortsendeschild am Wegesrand, fing ein neuer Ort an.
Um Mitternacht waren wir am Ziel angekommen. Wahrlich, der Campingplatz hatte geschlossen. Und es regnete. Also noch schnell ein Häppchen essen und dann schlafen. Die Familie in den Wohnwagen und wir in je ein Auto. Es hat wirklich seine Vorteile, nicht zu allzu groß zu sein.
Nachdem am Morgen die Sonne schien und wir unsere Knochen wieder entfaltet hatten richteten wir uns am Zeltplatz häuslich ein. So leicht läßt sich ein NSUler nicht entmutigen. Die 90-Pfennig-Brötchen schmeckten dann um so besser.
Nach einem allseitigen Hallo, erkundeten wir das Gelände und ließen uns in die dortigen Geheimnisse der zuvor Angereisten einweihen. Die ersten waren schon zu Pfingsten angereist.
Die meisten Fahrzeuge kannte man aus den Jahren vorher. Die Wenigsten hatten Ersatzteile zum Verkauf mitgebracht, da sie den Zoll fürchteten. Somit gab´s am Platz nicht allzuviel zu gucken und auch nicht zu kaufen.
Urlaub. Strahlender Sonnenschein. Also alle Mann in die Autos (unsere Gruppe hatte sich jetzt etwas vergrößert). Wenn wir schon mal hier sind, wollen wir doch Luzern am Vierwaldstätter See gesehen haben. So ein echter Touri nimmt halt alles mit.
Luzern ist recht groß und schön anzusehen. Im Zick-Zack überquerten wir mehrmals die Reuss. Erst die Spreuer-, dann die Reuss- und dann die als Wahrzeichen bekannte Kapellbrücke. Wir bummelten an der breiten Uferpromenade mit den alten Bäumen und den Anlegestellen der Schiffe und Dampfer des viel gerühmten Sees entlang. In der Ferne sahen wir den Werbeballon vom Verkehrshaus Schweiz. Bei so einem Wetter ins Museum? Nein! So etwas kann man bei schlechtem Wetter machen. Wir wußten bis dato nicht, daß dies unser erster und letzter schöner Tag sein sollte. Schon am nächsten Tag, besichtigten wir das schönste Verkehrsmuseums Europas mit all seinen Sehenswürdigkeiten!
Außer ein paar Büchern von "Heidi" fanden wir nichts weiter von der Kleinen, die unsere Kindertage bereicherte. Kein Wunder. Johanna Spyri, die "Mutter" des frohen Naturkindes kam aus Hirzel / Graubünden. Wir bewegten uns in Luzern / Zentralschweiz.
Wußtet Ihr , daß nicht nur die feinste Schokolade aus der Schweiz kommt, sondern auch Briefmarken (90Rappen), die nach Schokolade duften? Am hiesigen Postamt wurde ich fündig. Schließlich soll es auch die daheim gebliebenen etwas besonderes sein. Durch rubbeln an der Oberfläche der Briefmarke entfaltet sich das Schokoladenaroma. Bitterschokolade!? - Geschmackssache!
Bei der Rückfahrt kamen wir durch Küssnacht (was ein schöner Name!) durch. Ihr wißt schon: "Durch diese hohle Gasse ..." oder "man nehme Sohn, Apfel und Armbrust, usw.". Richtig! Der Befreiungsmythos von Wilhelm Tell, der bis heute von keinem Historiker bestätigt werden konnte. Aber die Schweizer würden stur dran festhalten. Schon Mark Twain hielt seinerzeit in seinem Reisetagebuch fest: "kleines zänkisches Bergvolk". Also keine Diskussionen!
Das die Schweiz viele schöne Berge hat, haben wir schon alle mal gehört. Jetzt sahen wir sie in all ihrer Pracht. Spitze und abgerundete, kleinere und höhere, felsige und baumbewachsene, schneebedeckte und ohne Schnee. Aber mal ehrlich! Ist es nicht schön, diese mit dem Auto zu umrunden und / oder sich diese von unten her zu betrachten? Es ist lang nicht so anstrengend und schweißtreibend, als wenn man Louis-Trenker-mäßig rumkraxelt.
Beim gemeinsamen Grillen und Palaver beschlossen wir gemütlich den Abend.
Der neue Tag begann mit ausgiebigem Frühstück an der obligatorisch längsten "NSU - Frühstückstafel" des Platzes und gemeinsamen bangen Blicken gen Himmel mit all seinen Regenwölkchen, die nichts gutes verhießen.
Wir für unseren Teil, entschieden uns für das Verkehrshaus in Luzern. Es ist ein wirklich schönes Museum. Für jeden ist etwas dabei. Und vor allem hatten wir Zeit, da keine Eile geboten war, um auf den Platz zurückzukehren, weil neue Ersatzteile hätten eingetroffen sein können.
Innerhalb von 30 Minuten wurde uns das Wichtigste rund um den 15m langen Gotthardtunnelbau via Fahrt mit der Werkbahn vermittelt. Die verschiedensten Dampfloks gab es zu bestaunen. Wer wollte, konnte selbst Lokführer sein wenn auch landschaftlich nur per Leinwand. Das Nautirama mit all den vielen Schiffen. Wer wollte, konnte ein ausgedientes Flugzeug besteigen. Es gab eben die historischen und technischen Entwicklungen der verschiedensten Verkehrsmittel vom 19. und 20.Jahrhundert von Raumfahrt bis Straßenverkehr zu bestaunen. Wer wollte, konnte in einer Live-Radiosendung mitwirken. Das Planetarium war leider geschlossen. Für Kunstinteressierte sind die Werke des Schweizer Künstlers Hans Erni in gleichnamigen Museum ausgestellt. Außerdem war da noch das Imax, ein Filmtheater-Rundgebäude.
Am Abend gab´s die offizielle Begrüßung und gemütliches Beisammensein in der Festhalle (ca. 20 Minuten Fußmarsch am Sempacher See entlang oder aber man durfte sein Auto vor den Toren des Campingplatzes über Nacht parken).
Hungrig studierten wir die Menükarte. Bei den Preisen ließ dann der Hunger allerdings etwas nach. Eine Portion Pommes sollte umgerechnet ca. 8,50 DM kosten. Na ja, immerhin war der Ketchup inklusive. Der Durst war dann auch nicht mehr ganz so schlimm. Die Schweiz würde zu den wohlhabendsten Ländern der Erde zählen. Verständlich Bei den Umsätzen!
Eine Zwei-Mann-Kapelle sorgte an beiden Abenden für den musikalischen Rahmen.
Der NSU-Fan-Club Schweiz hat auch eine soziale Ader. Sozusagen im letzten Moment wurde der (Lebens-)künstler, seines Zeichens Zauberer engagiert. Während des Sommers hat er sein Lager am Sempacher See aufgeschlagen. Wenn die Kunst schon vor der Tür sitzt, sollte man ihr die Tore öffnen. Problematisch war für uns Publikum, das Verstehen. Wenn das Mikrophon dann doch mal funktionierte, versuchte ein jeder das schweizerisch in seine Sprache umzusetzen. Das Ergebnis war dann leider, daß viele vorzeitig und übermüdet den Saal verließen. Wir auch. Späterhin muß es dann aber noch tolle Guggenmusik gegeben haben.
Im mal mehr mal weniger Regen liefen wir zurück zu unserem Nachtquartier. Dank des kontinuierlichen Regens glich unser Zelt nun einem überdachten Planschbecken. Daher entschieden wir uns, wieder die bequeme Kauerstellung im Auto einzunehmen. Immerhin trocken!
Samstag morgen und immer noch Regen! Was für die
Schweizer gilt (es wird ihnen nachgesagt, daß sie gaaanz laaangsam
wären), scheint auch für´s Wetter zu gelten (es regnete
laaangsam und brauchte auch etwas länger bis es sich wieder ändert).
Kaum zu glauben! Wie konnte es sein? Da war es nun! Das
angeblich so typische NSU-Wetter! Und trotzdem packten immer häufiger
ein paar NSUler ihre Habseligkeiten zusammen und verließen den regenbedeckten
Platz. Wohl dem ... (der eine Quickly hat) der dieser Tage im Hotel war!?
Nachdem wir unserem Rhythmus Essen / Spülen, Essen
/ Spülen gefrönt hatten, machten sich die meisten bereit zur
Ausfahrt mit anschließendem Gruppenfoto. (siehe Farbfoto auf der
ersten Umschlagseite).
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Nennenswertes: Der neutrale Staat Schweiz änderte erst 1981 ihre Verfassung zugunsten der Gleichstellung der Frau! Bei den Wahlen im Februar. 1971 wurde Frauen erstmals das Stimmrecht sowie das Recht zur Kandidatur für Bundesämter gewährt. Landesweit besteht das Frauenstimmrecht erst seit 1990 (!), als es auch im Halbkanton Appenzell Innerrhoden eingeführt wurde. Bei einem Referendum stimmte die Mehrheit 1981 für einen Verfassungszusatz, durch den die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich verankert wurde.
Hätten sich nicht dauernd die Scheibenwischer vor
den Augen bewegt, hätte man selbstzufrieden das schöne landschaftlich
dargebotene Panorama betrachten können.
Die Strecke führte um den Sempacher See. Am Ziel
(Parkplatz vor dem Campingplatz) angekommen, bekam man einen Platz zugewiesen.
Die "roten" und "weißen Prinzen" durften in die Mitte, denn der Clou:
Sie sollten die Schweizer Nationalflagge darstellen!
Alphornbläser sorgten für das nationale musikalische Ambiente während der Aufnahmen. Und dann war da jemand, der behauptete, dass die Klänge dann beim Betrachten des Bildes zu hören wären! Aber wie ich auch lauschte, ich konnte nichts hören!
Einige Zweirad-NSUler versuchten dem Alphorn ein paar Töne zu entlocken. Schaut halt leicht aus!
Kaum waren die Bilder im Kasten, "tröpfelte" es auch schon wieder heftiger.
Beim "Auto-Gucken" entdeckte ich eine Besonderheit. Das NSU-Dreirad. NSU war echt vielfältig. Aber ist das nun wirklich ein Original oder ist es eine Fälschung? Es handelt sich um ein Original. Ansonsten konnte ich dieses Jahr keine "Neuerungen" entdecken.
Abends dann wieder in die Festhalle. Die Tanzbeine wurden geschwungen. Nein, nicht die der NSUler! Eine eigen für diesen Abend engagierte Tanzgarde. Wir durften unsere Hühneraugen schonen. Dafür strahlte so manches Männerauge beim Anblick der mobilen Beinchen. Pokalverleihung! Deutschland räumte ordentlich ab. 24 Pokale gab es für Deutschland! Darunter auch einen für unseren Stammtisch-Jüngling Frank Zinn. Er wollte es erst gar nicht glauben. Aber dann war die Freude doch recht groß. Weiterhin gab es 4 Pokale für die Niederlande, 2 Pokale für Belgien und je einen für Groß Britannien, Ungarn und Italien. 5 Pokale blieben in der Schweiz. Die Pokale wurden mit Applaus, Gratulation und Küsschen überreicht.
Um fair zu bleiben, sollte aber auch erwähnt sein, dass Deutschland mit 142 Teilnehmern vertreten war. Aus der Niederlande waren es 37, aus Belgien 13, aus Groß Britannien 4, aus Ungarn 1 (!) und Italien 10. Die Schweizer waren laut Statistik mit 24 Teilnehmern vertreten. Außerdem waren Frankreich, Dänemark, Slowakei, Tschechei und Schweden.
Wenn wir schon bei Statistik sind: Es hatten sich 222 Fahrzeuge (184 PKW´s; 7 Sonderfahrzeuge und Eigenbauten; 16 Fahrräder, Mopeds, Motorroller und 15 Motorräder) eingefunden. Weitere 22 Fahrzeuge waren gemeldet gewesen, aber sind nicht erschienen. Möglicherweise hatte die Wettervorhersage abgeschreckt. Insgesamt waren 479 NSUler auf dem Treffen. Ca. 2/3 der Personen waren auf dem Campingplatz untergebracht. Der Rest hatte sich für ein nahegelegenes Hotel entschieden. Wegen des Regens verließen nach und nach immer mehr Leute das Treffen.
Sonntag. Keine Chance die Zelte trocken zu verstauen.

Die Enten planschten munter lustig in den großen Pfützen vor den Zelten. (Frühstückseier wollten sie allerdings keine legen.) So ein Naturschauspiel hat man nicht jeden Tag vor der (Zelt-)Türe. Den meisten NSUlern ihre Laune schwamm derweil immer mehr dahin. Weil Willi keine regenfesten Pantoletten dabei hatte, zog er kurz entschlossen Schuh und Strümpfe aus und patschte barfüßig durchs Wasser. Ist übrigens sehr gesund: Wassertreten wie beim guten alten Pfarrer Kneipp und Fußpilz wird auch ertränkt.
Stellt Euch mal vor, wir hätten tolles Wetter gehabt! In ein paar Jahren würde sich kaum noch einer an das Treffen in der Schweiz erinnern. So aber wird es unvergeßlich bleiben! "Wißt ihr noch, damals in der Schweiz ... Regen ...!" Und nicht vergessen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Mir (im Namen aller) bleibt noch Dank zu sagen an die diesjährigen Organisatoren des Fan-Clubs-Schweiz. Es mag zwar nicht das (Über-)Angebot von Möglichkeiten gewesen sein, wie wir es von manch anderem Treffen kennen, aber sollte so ein Treffen nicht in erster Linie dem Sich-Kennenlernen, des Kontakte-knüpfens und des Erfahrungsaustausches sein. Und das kann man, Schulter an Schulter unterm Regenschirm, doch ganz prima machen.
Ich hoffe, wir sehen uns dann wieder im nächsten
Jahr zum
22. Internat. NSU-Treffen vom 16. 19.Mai 2002 in
Cavallino / Bella Italia!
Immer schön fröhlich bleiben, wünscht Euch,
Edith Brakmann