Das Bügeleisen von NSU

Beitrag zur Frage:

Ist das Emblem des Prinzen

- ein Wappen,

- ein Schild

- oder ein Firmenzeichen?

 

Wohl dem, der einen Prinz besitzt!

 

Dieser Slogan klingt nach Hochadel, nach etwas Besonderem, zumal Adel verpflichtet. Der Werbespot kam bei den Autointeressenten gut an und der kleine Prinz hielt auch, was versprochen wurde.

Obwohl die Firma NSU als Traditionsfirma im Fahrzeugbau über die Grenzen Deutschlands hinaus einen guten Ruf hatte, ist es nicht zu verstehen, warum sie im Laufe der Jahre von 1900 bis 1970 so oft die Embleme änderte.

Die Buchstaben NSU stehen für den Standort des Werkes Neckarsulm, einer kleinen Stadt im Freistaat Württemberg.

Diese Stadt gehörte seit dem Jahre 1484 dem Deutschen Ritterorden an und führt daher im Stadtwappen das schwarze Kreuz auf silbernem Grund mit den drei goldenen Ringen als Beizeichen.

Da lag es nahe, dem kleinen Prinzen einen Schild (in der Heraldik = Wappenkunde, "der" Schild) zu geben, der den Bezug zu dem Wappen seiner Heimatstadt herstellen sollte, verbunden mit den Halbgestängen eines Hirschgeweihes aus dem Staatswappen von Württemberg (schwarze Halbgestänge). So etwas macht Eindruck und hebt das Produkt enorm edel an.

Heraldisch gesehen ist dieser Schild jedoch kein Wappen, und das wäre auch aus vielerlei geschichtlichen und politischen Gründen nicht vertretbar.

Aus Gründen des besseren Verständnisses wird hier von einer wissenschaftlichen Beschreibung nach heraldischen Grundsätzen (einer Blasonierung) abgesehen.

In der Heraldik wird die Schildbeschreibung rechts oder links vom Ritter aus betrachtet.

 

Es handelt sich bei diesem Firmenzeichen im heraldischen Sprachgebrauch um einen zweigeteilten Schild mit den wechselseitigen Farben rot und silber. Der silberne Grund der linken Wappenseite ist mit einem Kreuz in Form des Ordenskreuzes in Blau belegt, das unten mit einem roten Ring behaftet ist, ein ebensolcher Ring schwebt auch in jedem der beiden oberen Winkel.

Auf der rechten Seite ist der rote Grund des geteilten Schildes mit drei silbernen Halbgestängen eines Hirschgeweihes belegt, die untereinander angeordnet sind.

Diese Halbgestänge sind zwar dem Württembergischen Staatswappen entlehnt, weichen aber in ihrer Form und Farbe ab.

Das Ganze ist also nur ein Markenzeichen in Schildform, das im oberen Teil auf silbernem Grund den Schriftzug "Prinz" oder auch "NSU" trägt.

Es ist also kein heraldisches Wappen, obwohl man durch geschickte Darstellungen, geänderte Farben und veränderte Elemente die altüberlieferte heraldische und geschichtliche Bedeutung benutzt hat.

Und dennoch ist es ein schönes und ansprechendes Markenzeichen, weitaus besser, als es der Volksmund seinerzeit in spöttischer Weise als Bügeleisen bezeichnete.

Wir finden es heute wieder in dem Clubzeichen der NSU-Prinz-IG von 1980 e.V., gemeinsam mit dem Symbol für den Wankel-Motor.

Ein wunderbares Zeichen der Interessengemeinschaft zur Erhaltung von NSU-Fahrzeugen.

 

Christoph R. Marx, Minden

 

Kommentar von A.Westrup zu vorliegendem Artikel

... in seinem Buch "Fahre Prinz und Du bist König" geht auch der langjährige Pressechef der NSU Motorenwerke Arthur Westrup auf die Firmenschilder ein. Was lag näher, als seine Meinung für unsere Prinzen Post zum Artikel von Christoph P. Marx zu erfahren ? Hier seine prompte Antwort in Auszügen aus dem Brief an den Clubkollegen Marx:

"Ich bewundere Ihre umfassende Kenntnis in Sachen Wappenkunde.

Selbst bin ich ein professioneller Laie auf diesem Gebiet und sagte mir damals im Zusammenhang mit dem Modellnamen PRINZ, daß ein wappenähnliches Gebilde die richtige Ausdrucksform für einen höheren Adelsgrad sei. – So geschah es dann auch, wobei wir im Hinblick auf die Konkurrenz die Absicht – wahrlich - im Schilde führten, trotz aller Heraldik in der Form und in den Farben modern zu erscheinen.

Der Scherzname "Bügeleisen" kann sogar in Neckarsulm innerhalb des Werkes selbst entstanden sein, hatten wir doch damals im Zusammenhang mit den anderen Modellen auch mit anderen Markenzeichen zu tun. Da war das Wort "Bügeleisen" eine eindeutige Bezeichnung.

Ein heraldisches Wappen verbot sich geradezu – ein paar Jahre später – bei der Einführung des Ro 80, denn dieser ultramoderne fortschrittliche Wagen würde jegliche Tradition hinter sich lassen."

Foto vom Jubiläumsabend beim 20 int. NSU Treffen in NSU: 20 Jahre NSU Prinz IG e.V. vor dem "Besen Bauer" in Neckarsulm. Von links: Arthur Westrup mit Gattin, Claus Luthe, Albert Keicher (NSU GmbH) und Frau Luthe.

Claus Kynast