Überprüfung des Ventiltriebes, wenn dieser bereits montiert ist, aber der Motor gar nicht oder nur unwillig läuft!
Grundsätzlich sollte der Motor von Prinz I bis Prinz
IV sowie Sportprinz nach der von NSU herausgegebenen Reparaturanleitung
zerlegt, repariert und wieder zusammengesetzt werden.
Im Notfall kann auch eine solche vom Bucheli-Verlag verwendet werden. Nur sind diese meist sehr dürftig und mit einigen Lücken versehen.
Richtungsangaben beziehen sich immer auf das gesamte Fahrzeug. Rechts = Beifahrerseite, vorn = Fahrtrichtung, hinten ist dann in Richtung der Rückleuchten.
Alle anderen Baugruppen des Motors sollen sich in gutem funktionstüchtigem Zustand befinden, z. B. : Vergaser, Zündung, Kupplung, Getriebe, Kolben nebst Kurbeltrieb, der Auspuff sollte auch nicht fehlen.
Bei dem vorliegenden Motor handelt es sich um einen 2-Zylinder-Viertaktmotor in Twin-Bauweise, d. h., beide Kolben gehen gleichzeitig auf und ab. (anklicken öffnet großes Bild)
Durch die Schubstangensteuerung (Ultramax) und dem Viertaktprinzip ergeben sich eine Unzahl von OT und UT, welche beim Lesen der Reparaturanleitung zu einiger Verwirrung führen kann. Auf die UT genauer einzugehen, ist nicht nötig. Zu den OT. Die Kurbelwelle hat nur einen OT. Da ist der auf der Kupplung markierte Zündzeitpunkt. Bei Zündung haben beide Kolben OT, nur einer macht da gerade seinen Auspufftakt. D. h., während bei einem Zylinder das Gemisch gezündet wird, funkt es beim anderen Zylinder ins Leere.
Beide Steuerpleuelstangen haben ebenfalls OT. Achtung! Diese OT nicht mit Kolbenpleuel-OT oder Kurbelwellen-OT verwechseln! Drehrichtung des Motors an der Dynastart-Anlage gesehen, ist rechts. Die Nockenwelle dreht entgegengesetzt und mit halber KW-Drehzahl.
Alle vier Exzenterscheiben (Bild 17 und 25) sind baugleich. Das Mitnehmerstück der Nockenwelle muß immer ziehend eingebaut werden. In der Nockenwelle befindet sich eine Aussparung für den eventuell herausragenden Mitnehmerstift (Bild 13). Beide Pleuelstangen (Bild 15) sind baugleich. Das obere und das untere Exzenterscheibenpaar liegt immer parallel (siehe Bild 17 und 25).
Beim Zusammenstecken der Exzenterscheiben zu einem Paar
müssen drei Löcher übereinander fluchten: groß-mittel-klein,
wobei die Scheiben weit auseinanderstehen (Bild 17 und 25). OT Zylinder
ist durch das Kerzenloch festzustellen, aber mit Vorsicht, denn dort darf
nichts verklemmen oder gar hineinfallen!! OT KW (Zündung ist durch
das Schauloch über der Kupplung zu sehen.
Wenn man den Steuertrieb probehalber auf der Werkbank (ohne Motor) zusammensteckt, würde das so aussehen: Beide Exzenterscheibenpaare so legen, daß die jeweils äußere nach unten ragt und das kleine Loch nach vorn zeigt. Das Ausgleichsgewicht (Bild 20) liegt dann genau hinten, wobei die Kante senkrecht ist. Das Zwischenrad (Bild 28) steht so, daß die Antriebsstange (Bild 29) ganz zurückgezogen ist (UT). Siehe auch Abb. aus der Ersatzteilliste.
Vor der Überprüfung des Ventiltriebes mit oberen Exzenterantrieb müssen der Ventildeckel und der Lichtmaschinendeckel abgenommen sowie die Zündkerzen herausgeschraubt werden. Wir drehen die Kurbelwelle mit einem 17er Ratschenschlüssel ganz unten am Lichtmaschinenanker im Uhrzeigersinn, also rechts. Wir drehen so lange, bis OT-KW und linker Zylinder Zündungs-OT anstehen. Dann müssen beide Nocken (linker Zylinder) leicht nach unten geneigt stehen. Das Ausgleichsgewicht (Bild 20) hängt dabei nach unten, wobei die gerade Fläche fast waagerecht liegt.
Wir drehen die KW einmal ganz herum, bis wieder KW-OT ansteht. Nun steht der rechte Zylinder auf Zündung. Die Nocken des rechten Zylinders sind nun leicht nach unten geneigt, während die Nocken des linken Zylinders leicht nach oben geneigt stehen. Das Gegengewicht (Bild 20) steht jetzt nach oben, wobei die Fläche wieder waagerecht ist.
OT äußeres Exzenterpleuel liegt etwa ¼ KW-Umdrehung vor OT rechter Zylinder. OT inneres Exzenterpleuel liegt etwa ¼ KW Umdrehung vor OT linker Zylinder. Wenn das nun alles übereinstimmt, müßte der Motor eigentlich laufen (freiwillig), es sei denn, etwas anderes ist noch nicht in Ordnung.
Detlef Röpke