50 Jahre NSU Prinz 4 >>1961 – 2011

Der neue „Prinz 4“ von NSU wird 50 Jahre alt

GeGe

NSU Prinz4 Werbebild 1961

Empfangskommitee am Vorstart

Nachdem NSU im Jahre 1958 die Automobilproduktion wieder aufgenommen hatte, wurden bis August 1961 über 100000 Fahrzeuge der Typen Prinz I, II, III und Sport-Prinz produziert. Mittlerweile strebte die junge Bundesrepublik zu neuen wirtschaftlichen Höchstleistungen. Nur mit der politischen Wiedervereinigung klappte es 1961 noch nicht. Die DDR-Oberen ordneten Flugs das Stopfen des letzten Loches im Eisernen Vorhang an. In der Nacht zum 13. August 1961 wurde mit dem berühmt, berüchtigten Mauerbau begonnen (Trotz der Beton-Schnell-Fertigbauweise hielt Sie bis zur Überwindung am 09.11.1989). Gerade am 59. Geburtstag von Felix Wankel (13.08.1902 – 09.10.1988). Die aufstrebende Marktwirtschaft wuchs beständig und die Bundesdeutschen strebten nach komfortabler, überdachter Massenmotorisierung. Die kleinen Prinzen der ersten NSU Nachkriegsgeneration entsprachen alsbald optisch und von der angebotenen Größe nicht mehr dem Wunschdenken der möglichen Käufer. Der in Arbeit befindliche Wankelmotor, für den es wahrscheinlich eine neue Designlinie geben sollte, war noch (lange) nicht serienreif.

Also machte man sich auf die Suche nach einem Nachfolgeprodukt der Prinzen. Nach einigen Designversuchen entdeckte man auf dem Genfer Automobilsalon 1960 den neuen amerikanischen Kompaktwagen Chevrolet Corvair, mit einer geradlinig schlichten Karosserieform und eine horizontal umlaufenden Kante sowie einem Sechszylinder-Boxermotor im Heck. Daraus wurde flugs die Idee für die neue Karosserieform des/der kommenden Prinzen festgelegt. Alle anderen Vorentwürfe wurden gestoppt. Innerhalb kürzester Zeit wurde von NSU ein neuer Kompaktwagen im Corvair-Design vom neu eingerichteten Stilbüro mit Claus Luthe aus dem Hut gezaubert. Beibehalten wurde dabei das bewährte Achskonzept der Prinzen, als Motorisierung wurde der bereits bewährte 30 PS Zweizylinder Twin aus dem Sport-Prinz übernommen und das ganze Paket zum Kompaktwagen neuen Stils zusammengestellt und umgesetzt. Nach einer vorbereitenden Startphase im August begann im September 1961 die Serienfertigung des neuen Hoffnungsträgers, dem NSU Prinz 4, jetzt mit arabischer Ziffer 4 nummeriert.

Der neue Kompaktwagen wurde zur Basis der gesamten Hubkolbenbaureihe mit den daraus entwickelten  Typen Prinz 1000, Prinz 1000 TT, Typ110, TT und TTS bis hin zum NSU 1200C Automatik. Zuerst wurde die Karosserie nach hinten verlängert, endlich konnte ein lange erwarteter modern konzipierter quer liegender, neu entwickelter luftgekühlter Vierzylindermotor implantiert im ersten Erweiterungsschritt 1963 der Prinz 1000 entstehen. Dann wurde im nächsten Schritt ein vergrößerter Kofferraum vorne angebaut, 1965 der Typ 110. Alles mit bemerkenswerter Feinfühligkeit der Umsetzung bei den jeweils anstehenden Karosseriemodifikationen.

Der Ur-Prinz 4 wird nach kurzer Anlaufphase von September 1961 bis zum Juli 1973 gebaut. Die offizielle Vorstellung erfolgt ab dem 21. September 1961 auf der IAA in Frankfurt, die interne Bezeichnung ist Typ 47. Insgesamt wurden von den Prinz 4 Typen mindestens 581967 Stück gefertigt (hier gibt es unterschiedliche Aussagen von NSU und anderen Quellen, in den VDA Unterlagen kommt man nur auf 576569 Stück, manche Quellen sprechen sogar von 625000 Exemplaren). Doch ungeachtet dieser kleinen Abweichungen bleibt der Prinz 4 das am längsten und am meisten produzierte NSU Automobil. Einen großen Anteil daran hatte dabei auch der ausgezeichnet laufende Export nach Italien.

Prinz 4 seitliches Schnittbild mit Heckmotor

Prinz 4 Schnittbild

Der Prinz 4 hat einen Parallel-Twin Zweiylinder-Motor im Heck. Er leistet 30 PS (22 kW) aus 598 cm³. Das ermöglicht ihm eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 120 km/h. Er hat eine selbst tragende Karosserie. Der Prinz 4 wiegt nur 555 kg und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 1000 kg, also eine Zuladung von 445 kg (das schaffen heute selbst Luxuslimousinen nicht mehr). 1961 wird der Prinz 4 zunächst als Viersitzer zugelassen, kurze Zeit folgt die Zulassung aus Fünfsitzer. Für sportliche Ambitionen wird zeitnah bereits 1962 eine Homlogation ( FIA/CSI Nr. 1103 als Tourenwagen) angestrebt, um mit dem neuen Vorzeige-NSU auch an Sportveranstaltungen teilnehmen zu können. Das klappt auch ganz gut. Im Jahr 1964 kann ein französisches Team mit einem Prinz 4 sogar ein Sieg in der Klasse bis 700 cm3 bei der Rallye Monte Carlo erringen. 1966 wird noch eine zusätzliche Homlogation als Serientorenwagen unter der Nr. 5056 bei der FIA beantragt.

Zunächst war es eine Überraschung, als man erfuhr, dass der neue Prinz 4 nicht in die Hubvolumenklasse der Borgward Arabella oder der Renault Dauphine aufgetaucht ist. Es zeigte sich damals, dass mit dem viel größeren Wagen ausschließlich die Karosserie gemeint war. Das bewährte, zwischenzeitlich mehrfach verbesserte Fahrwerk und vor allem der sehr bewährte 30-PS-Viertaktmotor mit Exzenterwellen-Antrieb der oben liegenden Nockenwelle haben eine neue Karosserie bekommen, die im Innenraum für Personen und Gepäck viel Platz für einen Kleinwagen bietet.

Prinz4 5-Sitzer Leichtbau

Durch diese Maßnahmen entstand ein sehr kompakter Wagen, der sich durch große Ausnutzung des Raumes und gute Sichtmöglichkeit nach allen Seiten auszeichnet. Die hochgezogenen Scheiben und die schmalen Pfosten bieten eine hervorragende Rundumsicht, Die Karosserieecken sind vom Fahrersitz aus exakt zu sehen,. Die Rückenlehnen vorn .sind verstellbar. Die hoch herausgezogene, betonte Gürtellinie (mit aufgesetzter, umlaufender Zierleiste), die die glatten seitlichen Flachen auflockert, gibt dem Prinz eine Streckung, die ihm bei seiner Bauart optisch zweifellos gut steht.

Der Hauptzweck, mehr Innenraum zur Verfügung zu stellen, ohne ein , grundsätzlich neues Fahrwerk bauen zu müssen, ist mit Geschick durch eine von Modeströmungen fast freie, in erster Linie der technischen Funktion dienende Formgebung gelöst worden. Immerhin wurde der Prinz  4  von 1961 bis 1973 fast unverändert produziert. Wer die über die Jahre durchgeführten kleinen Modellpflegemaßnahmen genau verfolgen will, der sollte einmal in unser Sonderausgabe der PP Zweizylindertypologie vom Sommer 2007 nachschlagen.

Die serienmäßige Ausstattung umfasst die einstellbare Heizung und Frischluftzufuhr,  weiter entwickelt vom Prinz III, Schwenkfenster, Lichthupe und Lenkschloss. Auf Wunsch kann, gegen Mehrpreis folgendes Zubehör geliefert werden:

Eine Scheibenwaschanlage, eine elektrische Zeituhr, eine Kraftstoffuhr, eine Kontrolleinrichtung für den Startvergaser, ein Lenkradsignalring, eine versteckte Hupe, zweifarbige Türseitenverkleidungen mit einer zweiten Türtasche, einen Haltegriff am Armaturenbrett, zwei Halteschlaufen mit Kleiderhaken, ein zusätzlicher Aschenbecher im Fond, eine Innenbeleuchtung über Türkontaktschalter und eine zweite Sonnenblende mit Spiegel.  Fast alle Prinz4 hatten dieses Sonderausstattung Typ „L“.

Durch geschickte Unterbringung des Kraftstofftanks (mit 37 Liter Inhalt) gelang es, einen großen, glattflächigen 250 Liter-Kofferraum zu schaffen, groß genug, um auch umfangreiches Urlaubsgepäck aufzunehmen. Die Zuladung ist mit 435 kg als bemerkenswert anzusehen.

Motor—Getriebe—Fahrwerk—Heckantrieb

Der Zweizylindermotor des Prinzen kann die Motorradvergangenheit der NSU Motorenwerke nicht verleugnen. Bei einem Paralleltwin-Viertakt-Motor bewegen sich die beiden Kolben gleichzeitig nach oben und unten. Problem bei den ersten Motoren war die Aufhängung des Motors und die Dämpfung zur Karosserie, weil sich extreme Schwingungen übertrugen. Diese Schwingungen bekam man mit speziellen Silentblöcken in den Griff. Der Motor verfügt über eine Dynastart-Anlage, d.h. eine von Bosch entwickelte kombinierte Anlasser-Lichtmaschine. die Ladeleistung ist für heutige Verhältnisse natürlich sehr begrenzt. Doch innovative Autos haben heute wieder Dynastatanlagen installiert, die im Kupplungsgehäuse mit eingebaut sind und bei Bedarf für zusätzliche Antriebskraft beim Beschleunigen sorgen können und bei gemütlichem Reisetempo lädt das Kombiaggregat dann die zusätzlichen Energiespeicher (Akkupacks) auf, das hat man in den 60er Jahren leider noch nicht so perfekt hin gekriegt.

Zweizylinder Twin-Motor

Der neue Prinz 4 übernimmt das Top-Aggregat der erfolgreichen Vorgänger. Er hat mit gleich bleibenden 30 PS bei 5500 U/min ein nur um wenige von 583 cm3 auf 598 cm3 erhöhtes Hubvolumen. Die Zylinderbohrung wurde um einen Millimeter von 75 auf 76 mm Durchmesser erhöht. Der mittlere Druck mit 8,2 kg/cm2 bei 5500 min-1 und mit 9,4 kg/cm2 als Höchstwert bei 3250 min-1 ist bei einem Verdichtungsverhältnis von nur 7,5:1 als hoch zu bezeichnen und zeigt das Können der Neckarsulmer Motorenbauer. Diese erreichten Werte dürfen als ein unmittelbares Ergebnis der NSU-Steuerung mit obenliegender Nockenwelle, Exzenterstangenantrieb und günstigem Verbrennungsraum angesehen werden.

Die Motoranordnung mit Getriebe und Hinterachsgehäuse als Blockkonstruktion ist unverändert, von den serienmäßigen Verbesserungen im einzelnen abgesehen, vom Prinz III übernommen; auch die Lage des Kühlgebläses auf der Kurbelwelle ist geblieben.

Am Fahrwerk hat sich nichts Grundsätzliches geändert. An der Vorderachse ist das Achsrohr und die Lage der Lenkung den Erfordernissen der neuen Karosserie angepasst worden.

Die Federn sind hinten progressiv wirksam und mit einem zusätzlichen Gummi-Luftkissen Typ Prinzair im letzten Teil des Federweges ausgerüstet Die doppelt wirkenden Teleskop-Stoßdämpfer greifen zur größeren Empfindlichkeit sehr nahe an den Rädern an. – An der über eine Gummi-Zusatzfeder progressiv wirkenden Vorderachsfederung ist zwecks Verringerung der Seitenneigung in Kurven ein Torsions-Stabilisator hinzugekommen; sonst sind die Querlenker-Aufhängung und auch die sehr direkte Lenkung mit voll gekapselter Zahnstange fast un­verändert geblieben, jedoch den größeren Kräften angepasst worden.

Der neue Prinz 4 stellte eine konsequente Weiterentwicklung und Ergänzung der ersten NSU Prinz-Reihe dar, bei der die Konstrukteure bewährte Elemente beibehielten, im Bereich der Karosserie und der Ausstattung jedoch völlig neue Wege gingen. Die Karosserie des Prinz 4 wurde von Grund auf neu gestaltet, wobei mit Erfolg angestrebt wurde, einen möglichst großen Innenraum für vier Erwachsene und ausreichenden Gepäckraum zu schaffen. In der Tat bot der Prinz 4 im Inneren Abmessungen, wie man sie damals bestenfalls im Bereich der Mittelklassewagen fand. Seine Form entsprach der damals gültigen Kompaktlinie; sie war von gediegener, moderner Eleganz. Große Glasflächen gaben dem Fahrer einen weiten Überblick und erleichterten ihm Fahrten im dichten Verkehr und Parkmanöver. So gelang es, durch ökonomische Auslegung bei einer handlichen Gesamtfläche, viel Nutzraum mit hohem Komfort zu schaffen.

Bei dem günstigen Eigengewicht des NSU Prinz 4 von nur 565 kg ergab sich ein Leistungsgewicht von lediglich 18,8 kg/PS, ein guter Wert, der dem Wagen schönes Temperament (von 0 bis 80 km/h in 14,0 Sek.) und die stattliche Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h sicherte. Der Normverbrauch nach DIN 70030 betrug 5, 7 Liter/100km.

Tabelle Technische Daten NSU Prinz 4
Zweizylinder Vertikal- Twin, Viertaktmotor, Luftkühlung durch Gebläse
Bohrung x Hub 76 x 66 mm
Hubraum 598 ccm
Leistung 30 PS bei 5600 U/min
Drehmoment 4,5 mkg bei 3250 U/min
Verdichtung 7 ,5 : 1
Vergaser Solex 34 PCI
Ventile V-förmig hängend, o
obenliegende Nockenwelle, angetrieben durch 2 Schubstangen
Druckumlaufschmierung 2, 75 Liter Öl
Elektrische Dynastartanlage, 12 Volt/32 Ah, Batteriezündung
Kraftübertragung Hecktriebblock, Motor quer hinter der Hinterachse, Motor mit Getriebe und Differential in einem Gehäuse, Kupplung Einscheiben- Trockenkupplung, mechanisch betätigt
Getriebe 4 Gang-Vollsynchrongetriebe
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Aufhängung vorne: Einzelradaufhängung an Doppel-Querlenker, Schraubenfedern
Aufhängung hinten: Einzelradaufhängung, Pendelachse, Querlenker, Schraubenfedern, Luftkissen
Zahnstangenlenkung, 3 Lenkradumdrehungen
Hydraulische Vierrad- Trommelbremsen
ab 11/1964 auf Wunsch: Scheibenbremsen vorn
Räder bis 11/64: Felgen: 3,00 x 12, Reifen: 4,40- 12
ab 11/64: Felgen: 4,00 x 12, Reifen: 5,00- 12
ab 1969: Reifen: 5,65/135 -12
Länge 3.440 mm  Breite 1.490 mm  Höhe 1.360 mm
Radstand: Spur 2040 mm // 1.230 / 1.200 mm ab 1969: 1.237 / 1.209 mm
Gewicht/zul. Gesamtgewicht 570 kg / 1.000 kg
Spitze / Verbrauch 120 km/h Der Normverbrauch nach DIN 70030 betrug 5, 7 Liter/100km
Neupreis 1961: DM 4.686.–(Prinz4S), 1972: DM 5.200.–(L)

Prinz4 Export nach Italiene, dort war er sehr beliebt

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Dieser Artikel ist eine vereinfachte und verkürzte Version aus der Prinzenpost 125, Stand 31.10.2011 GeGe

 

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Eine Antwort auf 50 Jahre NSU Prinz 4 >>1961 – 2011

  1. Roswitha Wolff sagt:

    Hallo!
    ich hab im Keller noch 2 NSU Prinz Scheiben, die echt zu schade sind, daß ich sie einfach zerkleinere und entsorge.
    Finde aber irgendwie niemanden, der sie brauchen kann.
    Könnten Sie mir hier weiterhelfen?
    Besten Dank und schöne Grüße
    R. Wolff

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